Autorenverzeichnis
Autoren von A bis Z

Bram Stoker

geb. 08. 12. 1847 in Clontarf bei Dublin
gest. 20. 04. 1912 in London

Wer eine Vorliebe für düstere Vampirgeschichten hegt, wird wohl kaum um diesen Mann herum kommen: Abraham "Bram" Stoker, irischer Journalist, Theaterkritiker und -manager, sowie Schriftsteller, dessen bekanntestes Werk "Dracula" den Grundstein für ein komplett neues und bis heute außerordentlich beliebtes Genre legte.

Der 1847 in der Nähe von Dublin geborene Stoker musste bereits in seiner frühen Kindheit die Bekanntschaft mit der dunkleren Seite des Lebens machen. Eine Krankheit, auf Grund derer er lange Zeit weder laufen noch aufstehen konnte, verurteilte ihn dazu, geistig und körperlich an das Bett gefesselt zu sein. Ein Motiv des lebenden Toten, welches sich in der berühmtesten Vampirgeschichte deutlich widerspiegelt.

Allerdings wäre es allein wegen dieser grausamen Erfahrung nie zur Entstehung des Schauerromans gekommen, hätte der von seiner Kinderkrankheit mittlerweile genesene Theaterkritiker nicht die Bekanntschaft des bekannten Schauspielers Sir Henry Irving gemacht. Dieser ermöglichte Stoker nicht nur die Arbeit als Manager seines "Lyceum Theatres", sondern auch den Aufstieg in die höhere Gesellschaft Londons sowie mehrere Reisen in den Osten Europas.

Während dieser Aufenthalte lernte Stoker den ungarischen Orientalisten Arminius Vámbéry kennen, welcher ihn mit der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. Drăculea vertraut machte, die weder Bram Stoker, noch zahllose Vampirfans jemals loslassen sollte.

Die abstoßende und zugleich faszinierende Figur des Grafen Dracula ist allerdings nicht nur den gründlichen Recherchen Stokers zu verdanken, sondern auch dem engen Freund Henry Irving, zu dem Stoker zeitlebens ein sehr intensives, aber auch von Abhängigkeit geprägtes Verhältnis hatte, wie die Namensgebung seines einzigen Sohnes, dem von seiner Ehefrau Florence am 31. Dezember 1879 geborenen Irving Noel Thornley Stoker, erkennen läßt.

Der 1897 veröffentlichte Unterhaltungsroman sollte aber zunächst kein Erfolg werden. Die mit Horrorelementen gespickte Mischung aus Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Detektiverzählung stellt sich in einer sorgsam verwobenen Sammlung scheinbar authentischer Berichte dar, in der vernunftbegründeter wissenschaftlicher Empirismus dem Glauben an mystische Kräfte und dem Menschen übergeordnete höhere Gewalten gegenübergestellt wird. Dass sich letzteres schließlich bewährt, ist, besonders in Hinblick auf die Entstehungszeit, in welcher die europäische Welt durch die anhaltende Industrialisierung fest in Wissenschaft und Technik verankert war, bemerkenswert, allerdings wohl auch, neben der Qualität des Buches an sich, eine der Ursachen, weswegen der 1912 in London verstorbene Autor den Erfolg seiner Schöpfung nicht mehr miterleben durfte.

Denn dieser stellte sich erst im Laufe der ersten Verfilmungen ein, in denen Stokers Andeutungen des nicht seelenlosen, von sexuellem Verlangen und finsterer Erotik gezeichneten Blutsaugers ausgebaut wurden und auf diese Weise eine breite Fanbasis erreichen konnten, so dass sich die Faszination des Vampirmythos bis heute in zahllosen Filmen, Romanen und Fernsehserien fortsetzt.